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Armutsprostitution gross

Armutsprostitution

FIM bringt ihre Expertise in der Streetwork verstärkt ein und ist seit Oktober 2015 für die hessenweite Vernetzung und Qualifizierung von Streetwork in der Armutsprostitution zuständig.

Armutsprostitution hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Zumeist handelt es sich um junge Frauen aus Bulgarien oder Rumänien, die auf der Suche nach Existenzsicherung und einem besseren Leben nach Deutschland kommen, hier aber aufgrund ihres niedrigen Bildungsstandes, einer fehlender Berufsausbildung und fehlender Deutschkenntnisse, keine Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben. Aus Armutsmigration wird Armutsprostitution.

Oft haben diese Frauen aus Bulgarien und Rumänien schon als Kinder und Jugendliche große Gewalt erlebt. Die Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern macht sie zu leichten Opfern von Menschenhändlern, Zuhältern, profitierenden „Freunden“ und Familienangehörigen, die sie in die Prostitution drängen oder zwingen.

Deutschland ist hierfür besonders attraktiv. Neben dem vergleichsweise hohen Wirtschaftsniveau innerhalb der Europäischen Union erweckt sicherlich auch das Prostitutionsgesetz (im Januar 2002 in Kraft getreten) den Eindruck, dass legal und unkompliziert in diesem Gewerbe Geld verdient werden kann.

Die Armutsprostitution hat das Geschäft mit dem Sex in Deutschland stark verändert. Folgende Phänomene sind zu beobachten:

  • Die Frauen aus den neuen EU-Ländern sind jung und unerfahren und oft nicht dazu in der Lage, ihr Leben in Deutschland selbst zu organisieren.
  • In der Regel haben sie eine schlechte Schulbildung bzw. keine berufliche Bildung oder Erfahrung. Manche Frauen sind nicht alphabetisiert.
  • Viele Frauen sprechen wenig oder kein Deutsch und können demzufolge ihre Dienstleistung nicht wirklich verhandeln oder kommunizieren.
  • Die Frauen gehören oft zu den ethnischen Minderheiten der Roma in Rumänien und Bulgarien oder der türkischen Gruppen in Bulgarien.
  • Die Frauen zeigen mangelhafte Professionalität im Gewerbe. Dumpingpreise korrelieren mit fehlendem Selbstschutz und Selbstsorge.
  • Häufig wird ungeschützter Geschlechtsverkehr praktiziert.
  • Eine gesundheitliche Versorgung existiert nicht. Die Frauen haben in der Regel keine Krankenversicherung und finden keinen Zugang zu öffentlichen medizinischen Diensten.
  • Die Frauen sind in Deutschland aufenthaltsrechtlich legal tätig (Freizügigkeit), zugleich sind sie unsichtbar. Der Teufelskreis besteht darin, dass die Frauen in der Armutsprostitution weder einen Wohnsitz (angemeldet) haben noch über eine Steuernummer bzw. Identifikationsnummer verfügen. Weil sie sich nur „informell“ und nicht offiziell als Erwerbstätige oder in Deutschland Aufhältige bewegen, ist es für sie nur schwer möglich, eine reguläre, alternative Erwerbsarbeit zu finden bzw. soziale Ansprüche geltend zu machen.
  • Die Frauen sind an Händler-, Zuhälter-, Verwandtschafts- und sogenannte "Freundes"-Netzwerke gebunden. Kontrolle, Ausbeutung und Gewalt durch Dritte sind an der Tagesordnung.
  • Es zeigt sich eine hohe Fluktuation in den Bordellen, Clubs, Wohnungen etc. Die Frauen werden von ihren Zuhältern von einem Land zum anderen, von einer Stadt in die andere gebracht, um ihre Abhängigkeit zu erhöhen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass viele dieser Frauen bei ihrer Einreise wussten, dass sie als Prostituierte arbeiten werden. Obwohl rechtlich möglich (Prostitutionsgesetz, EU-Freizügigkeit), sind sie dennoch in der Regel weder unabhängig, selbständig noch selbstbestimmt tätig. Vielmehr werden sie von Händlernetzen und von Zuhältern kontrolliert und wirtschaftlich ausgebeutet. Die Übergänge zum Straftatbestand des Menschenhandels sind fließend.

So finden Sie uns

Vom Hauptbahnhof Frankfurt am Main: Straßenbahn 16 (Ginnheim) oder Straßenbahn 17 (Rebstockbad) bis Haltestelle „Varrentrappstraße“

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