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Flucht gross

FLUCHT UND ASYL

Stetig steigen die weltweiten Flüchtlingszahlen aufgrund von Kriegen, Gewaltkonflikten, Terror und politischer Verfolgung, Armut und fehlenden Lebensperspektiven sowie Umweltkatastrophen.
Die oft menschenunwürdigen Zustände in den betroffenen Regionen veranlassen immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Die meisten von ihnen flüchten als sogenannte Binnenvertriebene in die direkt angrenzenden Nachbarländer. Einige von ihnen treten die gefährliche Flucht über das Meer nach Europa an: Im vergangenen Jahr 2016 nahmen mehr als eine Millionen Menschen den Seeweg auf sich, mindestens 5000 von ihnen verloren dabei ihr Leben oder gelten seither als vermisst. Das sind so viele wie in keinem Jahr zuvor.

Die sich weltweit zuspitzende Situation schlug sich seit dem sogenannten Sommer der Migration im Jahr 2015 schließlich auch hierzulande in den gestiegenen Flüchtlingszahlen nieder: In Deutschland erhöhte sich die Zahl der Asylanträge von rund 173.000 im Jahr 2014 auf 441.899 im Jahr 2015 und 745.545 im Jahr 2016. Zum Vergleich: Während des Bosnienkrieges suchten 1992 fast 440.000 Menschen in Deutschland Asyl.

Die meisten Asylanträge stellten Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Pakistan und Eritrea. Darüber hinaus beantragten 2015 viele Albaner/innen und Kosovaren Asyl , wobei die Anerkennungsquote bei den beiden letztgenannten Gruppen verschwindend gering war. Die besten Chancen auf positive Asylbescheide hatten Geflüchtete aus Syrien, Eritrea und Irak.
Viele Flüchtlinge, die bei FIM Rat und Unterstützung suchen, kommen aus afrikanischen Herkunftsländern, vor allem aus Eritrea und Äthiopien, aber auch zum Beispiel aus Nigeria und Somalia. Der ostafrikanische Schwerpunkt erklärt sich u.a. dadurch, dass zwei FIM-Beraterinnen Tigrinya und Amharisch sprechen. Seit April 2016 wurde das bereits bestehende Beratungsangebot aufgrund der zunehmenden Anzahl geflüchteter Menschen aus arabischsprachigen Ländern erweitert. Unsere neue arabischsprachige Mitarbeiterin berät Klientinnen aus Syrien, Irak, Algerien und Sudan. Mit Hilfe einer Dari/Farsi-sprechenden Dolmetscherin unterstützen wir zudem Frauen aus Afghanistan und dem Iran. Neben der Einzelfallhilfe führt FIM umfassende Informations- und Bildungsmodule in den Flüchtlingsunterkünften in Frankfurt in den wichtigsten Herkunftssprachen durch. Behandelt werden u.a. Themen wie Ankommen und gängige Umgangsformen in Deutschland, soziale Netzwerke und Familie, Rechte der Frau/Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Gewalt. Darüber hinaus führt FIM zunehmend fachöffentliche Veranstaltungen für Sozialarbeiter/innen zu den Themenfeldern Flucht und Gewalt sowie interkulturellen Herausforderungen durch.

 

FIM fordert: Mehr Rechte für Frauen auf der Flucht

Vor allem Frauen aus afrikanischen Ländern und dem Nahen Osten zählen aufgrund der gefährlichen Fluchtwege und geringer finanzieller Mittel zu den Binnenvertriebenen. In Deutschland wurden laut BAMF im Jahr 2016 zwei Drittel aller Asylanträge von Männern gestellt, vielen Frauen gelingt die Flucht nach Europa nicht. Dabei sind sie nicht weniger von Fluchtursachen betroffen: Der jährliche Bericht des UNHCR 2016 zeigt, dass die Hälfte aller Menschen auf der Flucht weiblich ist. Frauen sind in Kriegen und Konflikten besonders vulnerabel und am häufigsten Opfer verschiedener Formen von Gewalt. Zu den frauenspezifischen Fluchtgründen zählen u.a. sexuelle Gewalt, kriegsbedingte Vergewaltigungen, sexueller Terror sowie Zwangsehen. In der Beratung kommen erschreckende Gewalterfahrungen von geflüchteten Frauen zu Tage, die z.B. in Nordafrika in die Hände von Menschenhändlern geraten sind oder von Schleppern misshandelt wurden.

Um dieser Gewaltspirale etwas entgegenzusetzen sind z.B. sichere Einreisemöglichkeiten für Frauen auf der Flucht unabdingbar, so etwa als Kontingentflüchtlinge. Auch in Deutschland sind besondere Schutzmaßnahmen für geflüchtete Frauen erforderlich. Dazu gehören separate Unterbringungsmöglichkeiten sowie Schutzräume für alleinreisende oder von Gewalt betroffene Frauen. Mit Hilfe eines Gewaltschutzkonzeptes gilt es das Personal in den Flüchtlingsunterkünften für das Thema zu sensibilisieren. Darüber hinaus müssen muttersprachliche Informationen über die vorhandenen Hilfestrukturen bereitgestellt sowie für die adäquate Einbindung von Dolmetscherinnen Sorge getragen werden.