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Gewalt

Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen Frauen ist ein großes gesellschaftliches Problem – auch bei uns. Wie unlängst eine umfassende Studie der Europäischen Union aufdeckte, hat jede dritte Frau in der EU schon einmal körperliche bzw. sexuelle Gewalt erlebt. Deutschland liegt mit 35 Prozent sogar knapp über dem Durchschnitt der 28 Mitgliedsstaaten. Es bleibt also viel zu tun, sowohl in der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Prävention als auch in der Hilfe für die Betroffenen.

Migrantinnen sind Gewalt in Ehe oder Partnerschaft oft besonders hilflos ausgeliefert. Vielen fehlt in Deutschland ein soziales oder familiäres Netzwerk, durch das sie Unterstützung erfahren könnten. Manche Frauen haben aufgrund von unzureichenden Deutschkenntnissen Schwierigkeiten, professionelle Unterstützung zu finden. Und manche Frauen, die neu nach Deutschland kommen, wissen schlicht nicht, dass es überhaupt Unterstützungsangebote und ein Hilfesystem für Gewaltopfer gibt. Die Beratung und Unterstützung von Migrantinnen, die von Gewalt betroffen sind, bildet daher einen Schwerpunkt in der Arbeit von FIM.

Die Vulnerabilität durch häusliche Gewalt wird durch strukturelle Faktoren verstärkt. Viele Flüchtlingsfrauen sowie aus Entwicklungs- und Schwellenländern zugewanderte Frauen leben in Deutschland in schwierigen sozialen Verhältnissen. Ein niedriges Bildungs- und Ausbildungsniveau, Erwerbslosigkeit, Armut, ein prekärer Aufenthaltsstatus, fehlende soziale Einbindung – das alles sind Faktoren, die die Verletzlichkeit durch häusliche Gewalt erhöhen können. Auch die Herkunft aus Kulturen, in denen Gewalt in der Erziehung und im Alltag weit verbreitet ist, macht Frauen leichter zu Gewaltopfern.

Problematisch ist in vielen Fällen, dass Zuwanderinnen der Verlust ihrer Aufenthaltsgenehmigung drohen kann, wenn sie ihren gewalttätigen Ehemann verlassen. Die dreijährige Ehebestandszeit – d.h. die Zeit, die die eheliche Lebensgemeinschaft in Deutschland mindestens bestanden haben muss, bevor das Anrecht auf einen eigenständigen Aufenthaltstitel erworben wird – hat für viele Frauen gravierende Folgen: Um ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht zu verlieren, entscheiden sie sich gegen eine Trennung und nehmen die physische und psychische Gewalt ihrer Ehemänner in Kauf. Diese kennen die Abhängigkeit ihrer ausländischen Frauen, und einige nutzen sie skrupellos aus.

Zwar gibt es eine gesetzliche Härtefallregelung, die Ausnahmen in der Erteilung von Aufenthaltstiteln ermöglicht. Doch die Hürden sind hoch, und so wagen viele Betroffene nicht, die Ehe aufzukündigen. Eine Rückkehr ins Herkunftsland kommt zumeist auch nicht infrage. Oft sind die Familien in der Heimat auf die finanzielle Unterstützung aus Deutschland angewiesen, und eine Rückkehr empfinden die Frauen als Versagen gegenüber den familiären Erwartungen.

Fallbeispiel: Vom Regen in die Traufe

Dao (Name geändert), eine Thailänderin Anfang Dreißig, hat schon viel durchgemacht, bevor sie einen deutschen Mann kennenlernt und heiratet. Nach nur kurzer Schulzeit wird sie von ihren Eltern als sehr junges Mädchen verheiratet. Als ihr Mann stirbt, muss sie den Lebensunterhalt für ihre beiden Kinder allein verdienen und geht als Fabrikarbeiterin nach Taiwan. Schließlich landet sie als Bardame im Rotlichtviertel eines beliebten Badeortes in Südthailand. Dao erhofft sich von der Heirat mit einem Deutschen, noch einmal ein ganz neues Leben anfangen zu können.

Aber sie wird bitter enttäuscht. Kaum in Deutschland angekommen, wird die junge Frau von ihrem Ehemann misshandelt, psychisch unter Druck gesetzt und schließlich zur Prostitution gezwungen. Sollte sie wagen, sich von ihm zu trennen, so schicke er sie zurück nach Thailand, droht ihr Ehemann. Irgendwann hält Dao das nicht mehr aus und wendet sich an die Polizei. Da sie zu dieser Zeit noch nicht gut Deutsch spricht, kann sie sich nicht richtig verständlich machen. Diese Situation nutzt ihr Ehemann aus und dreht den Spieß kurzerhand um: Seine Ehefrau habe ihn angegriffen, behauptet er dreist auf der Polizeiwache. Erst als durch die Vermittlung des thailändischen Konsulats FIM eingeschaltet wird, kann bei einer erneuten Vernehmung mithilfe der thailändischen FIM-Beraterin der wahre Sachverhalt geklärt werden.

Dao findet zunächst Aufnahme in einem Frauenhaus, kehrt wenig später aber erst einmal zu ihrem Mann zurück, da sie fürchtet, sonst ihre Aufenthaltsgenehmigung zu verlieren. Ohne Wissen ihres Mannes lässt sie sich weiterhin telefonisch von FIM beraten und schafft es schließlich, sich von ihm zu trennen. Auf Anregung von FIM besucht sie einen Deutschkurs. Sie findet einen Job als Zimmermädchen in einem Hotel und bekommt aufgrund besonderer Härte eine eigenständige Aufenthaltserlaubnis.

Nun hofft Dao, dass ihr Traum von einem neuen, selbstbestimmten Leben in Deutschland doch noch in Erfüllung geht. Sie will den Führerschein machen, um ihre Arbeitsmöglichkeiten zu verbessern und mehr Geld verdienen zu können. Dann könnte sie ihren Sohn zu sich nach Deutschland holen. Mit Unterstützung von FIM hat Dao gegen ihren Ex-Mann Anzeige wegen Zwangsprostitution erstattet und in Anwesenheit ihres Peinigers vor Gericht ausgesagt – ein starker Schritt, zu dem leider vielen Frauen in vergleichbarer Situation der Mut und die Kraft fehlen.

Frankfurter Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

FIM ist Mitglied im Frankfurter Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, einem Zusammenschluss von Behörden, Polizei, Organisationen und Einrichtungen, die in ihrem Alltag mit den vielfältigen Auswirkungen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen konfrontiert sind.

Gemeinsames Ziel des Arbeitskreises ist es, der alltäglichen Gewalt gegen Frauen und Mädchen entgegenzuwirken und die Öffentlichkeit für die Problematik zu sensibilisieren. Mit der Vernetzung und Kooperation will der Arbeitskreis insbesondere dazu beitragen...
  • die Situation gewaltbetroffener Frauen und Mädchen zu verbessern,
  • die verschiedenen Formen und Anzeichen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Frankfurt wahrzunehmen, ernst zu nehmen, aufzudecken und zu handeln,
  • betroffene Frauen und Mädchen schneller und vorbeugend zu unterstützen.
Erfahren Sie mehr über den Präventionsrat der Stadt Frankfurt und den Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen und Mädchen.


So finden Sie uns

Vom Hauptbahnhof Frankfurt am Main: Straßenbahn 16 (Ginnheim) oder Straßenbahn 17 (Rebstockbad) bis Haltestelle „Varrentrappstraße“

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