Beratungs- und Informationszentrum für Migrantinnen und ihre Familien

Worum geht es?

Bei „Gewalt im Namen der Ehre“ handelt es sich um Gewaltdelikte, die aus einer vermeintlichen kulturellen Verpflichtung heraus begangen werden, um die bedroht geglaubte Familienehre zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

Betroffen sind in erster Linie Mädchen und junge Frauen, aber in Einzelfällen auch Männer, die sich von den traditionellen, patriarchalischen Vorstellungen ihrer Familien lösen und ihr Leben selbstbestimmt und frei gestalten wollen.

Im traditionellen Ehrenkodex patriarchalischer Gesellschaften hängt die „Ehre“ der gesamten Familie von der sexuellen „Reinheit“ der Frauen ab. Verliert eine Frau ihre „Ehre“ – in der Regel durch "unerlaubten" sexuellen Kontakt bzw. den Verlust der Jungfräulichkeit – so ist nicht nur sie selbst entehrt, sondern zugleich sind die „Ehre“ ihres Mannes und/oder ihres Vaters und damit die „Ehre“ der ganzen Familie angegriffen. Als "entehrt" kann eine Frau manchmal auch schon dann gelten, wenn sie sich in eine Situation begibt, in der ihre Ehre „befleckt“ werden könnte (Diskobesuche, Gespräche und Blickkontakte mit fremden Männern) – ganz unabhängig davon, was tatsächlich geschehen ist.

Ein Angriff auf die „Ehre“ kommt einem Gesichtsverlust in der Gesellschaft gleich. Daher sieht sich das Familienoberhaupt in traditionell patriarchalischen Gesellschaften in der Pflicht, das Verhalten aller Familienmitglieder im Hinblick auf die Einhaltung des Ehrenkodex streng zu kontrollieren und zu regulieren.

Gewalt im Namen der Ehre hat viele Facetten: psychischer Druck und Erpressung, Nötigung und Freiheitsentzug, körperliche und sexualisierte Gewalt, Zwangsverheiratungen und - im äußersten Fall - sogenannte "Ehrenmorde“.


FIM berät auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Tagalog, Thailändisch, Tigrinya und Amharisch.

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