Beratungs- und Informationszentrum für Migrantinnen und ihre Familien
Weltweit sind bis zu 150 Millionen Mädchen und Frauen von der schweren Menschenrechtsverletzung der weiblichen Genitalbeschneidung betroffen. Jeden Tag erleben 8.000 Mädchen erneut diese Gewalt an ihrem Körper und ihrer Seele.
Weibliche Genitalbeschneidung wird in 28 Ländern Afrikas praktiziert. Der gesamte Sahelgürtel ist betroffen: von Somalia, Äthiopien, dem Sudan über den Tschad, Niger, Nigeria, Mali bis zu Guinea. Auch Ägypten zählt dazu, nicht aber die maghrebinischen Staaten. Weibliche Genitalbeschneidung kommt auch auf der arabischen Halbinsel vor, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, im Oman und im Jemen, außerdem im Iran und in Teilen Asiens wie Indonesien, Malaysia und Indien.
Trotz vielschichtiger politischer, rechtlicher und sozialer Bemühungen konnte die Praktik nur in einigen Regionen eingedämmt werden, wie in Benin und in Teilen Senegals. In anderen Gebieten, wie insbesondere in Sierra Leone, weitet sich FGM als lukrative Einnahmequelle für bestimmte Gruppen aus oder aber wird für religiös-politische Machtinteressen missbraucht.
Zu den Opfern dieser Menschenrechtsverletzung gehören bereits sieben bis acht Tage alte Babys, Mädchen jeden Alters bis über die Pubertät hinaus und manchmal sogar Frauen, die bereits 30 Jahre alt und verheiratet sind. Meist findet eine Beschneidung im Alter zwischen vier und acht Jahren statt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die weibliche Genitalbeschneidung in vier Kategorien unterteilt:
15 % aller Beschneidungen fallen unter die grausamste Form, die Infibulation. Diese Praktik wird v. a. im Sudan, in Eritrea, in Somalia und in Mali ausgeübt, vereinzelt auch in anderen Teilen Afrikas. Bis zu 30 % der betroffenen Mädchen sterben an den Folgen.
FGM wird meistens nicht hygienisch durchgeführt und findet ohne Betäubung statt. In aller Regel werden alte, rostige, oft blutverschmierte Rasierklingen, Messer, Scheren, Glasscherben oder auch Dosendeckel eingesetzt. Für die Infibulation werden oft Dornen benutzt, um die Löcher für das Vernähen vorzustechen.
FGM ist eine Menschenrechtsverletzung, die aus den Ländern der Beschneidung in die Einwanderungsländer getragen wird. In Deutschland, wie auch in anderen europäischen Staaten, leben Mädchen und Frauen, die von FGM betroffen oder aber auch akut gefährdet sind, Opfer zu werden.